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Aktuell verabschieden die Regnitz-Werkstätten ihre letzten Zivis. Bis ins letzte Jahr waren die 12 Zivi-Stellen in der Regel voll besetzt. Der Wegfall reißt eine große Lücke in die direkte Betreuung unserer Menschen mit Behinderung. Die Zivis erfüllten unmittelbar Dienst am Menschen mit Behinderung: als Assistenten bei der Nahrungsaufnahme oder dem Toilettengang, als Helfer um die Arbeit vorzubereiten, als Fahrer und Begleitpersonen im Hohl- und Bringdienst und auch als Ansprechpartner bei täglichen Sorgen und Nöten. Auf dem Papier, waren Zivis nur als „Sahnehäubchen“ auf den Personalschlüssel gedacht. Aber alle, insbesondere auch unsere Kostenträger wussten immer, dass ohne die Zivis viele direkten Leistungen nicht möglich waren und sind. Der Entwicklung Rechung tragend, haben wir seit letztem Jahr unseren Fahrdienst umgebaut uns setzen verstärkt auf geringfügig Beschäftigte als Fahrer. Wir sind auch aktuell dabei neue Hilfskräfte für die Betreuung unserer Menschen mit Behinderung einzustellen. Trotzdem betrachten wir die Zukunft auch mit gewisser Sorge, da der Wegfall so vieler „zusätzlicher“ Betreuer nicht komplett aufgefangen werden kann.
Der Wegfall des Zivildienstes hat auch große gesellschaftliche Folgen. Die 450 jungen Männer, die seit 1961 bei uns als Zivi waren, haben diese besondere Erfahrung im Umgang mit Menschen mit Behinderung in die Gesellschaft getragen. Sie haben direkt erfahren, dass auch ein Leben mit Behinderung ein erfülltes, zufriedenes und fröhliches Leben sein kann. Unsere Zivis haben gelernt, das es viele Möglichkeiten gibt ein Leben zu leben und dass das Leben nicht in schwarz und weiß, nicht in lebenswert und lebensunwert unterteilt werden kann. Die Zivis haben gelernt, dass man mit respektvollem Umgang und partnerschaftlicher Zusammenarbeit auch weit kommen kann und nicht nur mit den Ellenbogen unserer Leistungsgesellschaft. Diese Erfahrungen haben sie auch an ihre Angehörigen und Freunde weitergegeben. Die meisten jungen Männer hätten ohne Zivildienst niemals einen Fuß in die Lebenswelt von Menschen mit Behinderung gesetzt. Gerade dieser Perspektivenwechsel war sowohl für die Menschen mit Behinderung , aber auch für die Zivis der größte Gewinn der Zivi-Jahre. Der Zivildienst war ein wichtiger Bestandteil des sozialen Kitts, der unsere Gesellschaft zusammenhält. Der Verlust dieses Erfahrungsfeldes ist für unser Gemeinwesen nur schwer zu ersetzen.
Christian Schadinger (Geschäftsführer)
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